Ei ei, so viel Hofnarr auf einmal? Na ja, es gibt halt so viel zu lästern! Und da in letzter Zeit so viele am rumnörgeln sind, wegen der Internetsperre für Kinderpornoseiten, und weil die, die da nörgeln meistens versierte Internetnutzer sind, die mit komplizierten Fachausdrücken um sich werfen die nur Nerds verstehen können, und weil die Politiker ja immer noch mit ruhiger Stimme behaupten das sie ein wirkungsvolles Mittel gegen Internet- Kinderpornographie installieren würden, hab ich mich entschlossen, mal für Nicht- Internetprofis zu erklären, wie das ganze funktionieren wird. Ich kann das ganz gut, weil ich selbst nämlich auch nur ein doofer kleiner User bin, der vor den elektronischen Wundern der Matrix erschauernd an seinem Bildschirm sitzt...
Da stell´n wer uns mal janz dumm und vergleichen wir also mal das Surfen im Internet mit einem Stadtbummel. Das trifft es doch ganz gut, oder? Man hat kein bestimmtes Ziel, dafür genug Zeit, man schlendert von hier nach da, läst sich von den bunten Reklamen in den Bann ziehen, stöbert mal hier durch die Regale, guckt sich mal da ein Schaufenster an, geht auch mal durch fremde, neue Gassen.
Nun entdecken wir in einer solchen Gasse ein interessantes Schaufenster, das wir uns genauer ansehen möchten. Wir gehen darauf zu, aber in dem Moment in dem wir diesen entscheidenden Schritt machen wollen, der es ermöglicht, zu erkennen was in dem Schaufenster ist, springt plötzlich ein Polizist aus irgendeiner Ecke hervor, wedelt mit einer roten Kelle vor unserer Nase herum und ruft: „Halt, Stop, da dürft ihr nicht reingucken! Da drin werden Kinder geschändet!“
Nun ja. Das ist die Stelle, an der einem dann diverse kritische Fragen durch den Kopf gehen, wenn man angesichts der Stop- Kelle der Staatsgewalt nicht vor Schreck erstarrt, wie es uns Internet- Dummies bei mangelnder Vorbereitung mit Sicherheit passieren würde.
Erstarrt man nicht, kommt einem natürlich zunächst die Frage in den Sinn, warum der Beamte hier auf der Straße mit seiner Kelle rumwedelt? Warum geht er nicht da rein und macht dem Gräuel ein Ende? Natürlich bleibt einem nicht allzu viel Zeit, über diese Frage nachzudenken, denn sie wird sehr schnell von den nächsten verdrängt, nämlich: Warum nimmt der Beamte jetzt meine Personalien auf? Was erzählt er da von Strafverfolgung? Und was machen seine Kollegen mit dem Durchsuchungsbefehl da in meiner Wohnung und mit meinem Rechner und meinen CD´s?
Aber wir wollten ja die Sache Schritt für Schritt durchgehen. Fragen wir also unseren hypothetischen Freund und Helfer, warum er die Kollegen statt zu unserer Wohnung nicht lieber hierher ruft, um den Laden auszuheben. Dann wird er uns antworten, das er das nicht kann, weil die Betreiber sozusagen diplomatische Immunität haben. Übertragen aufs Internet: Die Polizei weiß, wo die Schweinereien sind, kann sie aber nicht löschen, denn der Server mit der Kinderpornoseite steht irgendwo im Ausland.
Aha. Und wie wir alle wissen, das Ausland besteht ja aus unerforschten Urwäldern, in denen nur Barbaren hausen, die rohes Gemüse fressen und Kinderschänder als Nationalhelden verehren... Äh- Nicht?
Der Server steht im Ausland, aber in welchem Land der Erde ist den Kinderpornographie erlaubt? Es mag ja noch Gegenden auf der Welt geben, wo man eine Zwölfjährige für eine Frau im heirats- und gebärfähigem Alter hält, aber grade in diesen Gegenden dürfen Kinderschänder sich mal gar nicht blicken lassen! Könnt ihr euch auch nur annähernd vorstellen, was, sagen wir mal, knallharte, radikalmuslimische Talibankämpfer irgendwo in den Bergen von Afghanistan mit Leuten anstellen würden, die Versuchen ihre Kinder zu pornographischen Zwecken zu missbrauchen? Ich will es mir gar nicht vorstellen- ich könnte nächtelang nicht schlafen.
Der Server steht also im Ausland. Na super, Onkel Schutzmann. Ruf mal im Ausland an und sag den Ausländerkollegen, das sie dafür sorgen sollen, das die Site gelöscht wird. Welche Polizeitruppe dieser Welt wird denn da nicht Amtshilfe leisten, wenn es gegen Kinderschänder geht?
Und wenn der Server nun wirklich im totalen Ausland steht, in irgendeinem Bananenstaat in dem es tatsächlich noch kein Gesetz gegen die Verbreitung oder Herstellung von Kinderpornographie gibt, was machen wir dann?
Dann machen wir Druck! Wir sind Deutschland, Himmel noch eins! Wir sind ganz oben mit dabei in jeder Trachtengruppe, die auf diesem Planeten was zu sagen hat: EU, NATO, UNO, G8... Nutzt doch den Globalisierungsmist einmal für etwas nützliches! Die Bananenstaaten stehen doch sowieso alle bis zum Hals bei uns in der Kreide und wir setzen sie tagtäglich wegen allem möglichen unter Druck. Lieber Bananenstaatspräsident, willst du jemals wieder etwas von uns haben, Kredite, Entwicklungshilfe oder (was am wahrscheinlichsten ist) die nächste Waffenlieferung, dann sorg dafür das von deinem Land aus keine Kinderpornos mehr ins Netz kommen- oder vergiss die Waffen.
Meint ihr, einer solchen Aufforderung würde man in den Bananenstaaten nicht nachkommen? Sanktionen riskieren? Wegen Kinderschändern?
Ich meine, o.k., wir westlichen Nationen sind in manchen der Bananenstaaten nicht mehr gern gesehen, weil wir sie so lange ausgebeutet haben. In manchen dieser Ländern hält die Bevölkerung deshalb das, was wir Terroristen nennen, für Freiheitskämpfer, für gottgesandte Märtyrer, und gewährt ihnen Unterstützung und Unterschlupf, aber glaubt ihr, sie würde das auch für diese anderen tun? Für Kinderschänder?
Ich stelle mal die kühne Behauptung auf, nicht einmal der Iran und Nordkorea würden ihren internationalen Status deswegen noch weiter verschlechtern. Nicht wegen Kinderschändern.
Der Ehrlichkeit halber sei an dieser Stelle gesagt, das wir unseren Polizisten mit diesen Fragen überfordern. Immerhin ist er ja nur Polizist, nicht Politiker oder Diplomat. Allenfalls könnte er noch schüchtern murmeln, das er auch nix von dieser Sache hält und das seine Vorgesetzten sich klar und deutlich gegen dieses Gesetz ausgesprochen haben, aber wenn es denn nun mal in Kraft ist, was soll er denn machen, er macht ja auch nur seinen Job...
Wenden wir uns also von dem erröteten Beamten ab und unserer virtuellen Gasse zu, in der wir mittlerweile nicht mehr allein sind. Seit beginn dieser Affäre sind ein gutes Dutzend weiterer Leute eingetroffen, die ebenfalls mal ins Schaufenster gucken wollten und ebenso konsterniert wie wir auf das rote Stoppschild gestarrt haben. Und auch die bestürmen den armen Polizisten mit Fragen. Eine ganz wichtige ist dabei: „Woher zum Teufel sollten wir denn wissen, das es hier Kinderpornos gibt? Wir dachten das hier wäre ein Kurzwarengeschäft!“ Ist ja klar, über unserem Schaufenster steht ja nicht in großen bunten Lettern `Kinderpornokino` oder so etwas. Eben weil die Kinderschänder nirgendwo Freunde haben, sind ihre Websites hinter harmlosen Adressen versteckt, und damit besteht natürlich auch das Risiko, das jeder beliebige Internetnutzer versehentlich versucht, auf eine solche zu zugreifen.
(Hier schaltete sich der königliche Computerfreak ein und merkt mit dumpfer Stimme an:)
Das Gesetz beinhaltet die so genannte Störerhaftung, das heißt nicht nur die Kinderpornografie (wenn es denn welche ist) wird gesperrt, sondern auch alle Seiten, die auf diese Seite verlinken und Seiten die auf diese Seiten verlinken... Es wird ein großer Spaß werden, Leuten Links auf das Stopschild zu zuschicken...
Unserem Polizisten dürfte in der Zwischenzeit ob der vor ihm versammelten, aufgebrachten Menge der Kragen ein wenig eng werden, die von Minute zu Minute größer wird. Das haltet ihr für übertrieben?
Ich eröffne hiermit eine spekulative Mathestunde ohne Gewähr und ohne Anspruch auf Richtigkeit. Ich habe letztens irgendwo gelesen, das zur Zeit etwa 43 Millionen Bundesbürger einigermaßen regelmäßig das Internet nutzen. Wenn wir jetzt nur mal davon ausgehen, das jeder Tausendste im Laufe eines Monats einmal versehentlich eine mit der Sperre versehene Site aufrufen will, dann kommen wir nach Adam Riese und Eva Zwerg und mit großzügigem Abrunden der Ergebnisse auf cirka 1430 neue Verdächtige. Am Tag. Also tatsächlich knapp einer pro Minute. Da ist es nur gut, das der Polizist aus diesem Beispiel im wirklichen Leben (also im Internet) nur ein Programm ist, dem es völlig Schnuppe ist, wir oft es aufgerufen wird. So wie ein Stoppschild an einer Straßenkreuzung eben.
43000 neue Verdächtige im Monat. Wer soll denn das Verwalten? Niemand, heißt es zur Zeit, denn die Daten dürfen ja nicht zur Strafverfolgung genutzt werden. „Aha,“ schreit die Menge, „warum protokolliert ihr dann die Daten? Und was heißt hier „zur Zeit“? Wird das Gesetz demnächst doch noch geändert? Vielleicht nach der Bundestagswahl, wenn’s zu Spät ist sich noch für andere Parteien zu entscheiden? Und wird es wirklich nur gegen Kinderpornografie eingesetzt, oder wird man dem Drängen der Industrie nachgeben und es erweitern? Und überhaupt, woher wissen wir eigentlich, das es hier überhaupt Kinderpornos gibt!?“
Denn dafür haben wir ja nur das Wort unseres Polizisten. Denn die Polizei stellt diese Liste „täglich aktualisiert“ im Alleingang auf. Das ist eine Notwendigkeit, um mit der Geschwindigkeit, mit der Internetseiten auftauchen und verschwinden können überhaupt mithalten zu können. Wenn da Bürokratie und Verwaltungsaufwand nötig werden, kann man es auch gleich ganz sein lassen.
Man kann auch aus verständlichen Gründen nicht veröffentlichen welche Seiten auf der Liste stehen, sonst wird die Sperrliste zum Einkaufszettel für Pädophile. Schön und gut.
Aber wer bewacht die Wächter?
(Und noch einmal ertönt die elektronisch modulierte Stimme des Computerfreaks Ihrer Majestät:)
Es gibt kein Kontrollgremium über die Sperrlisten, die Beispiele aus anderen Ländern haben gezeigt, es findet sich praktisch keine Kinderpornografie darauf, sondern "normale" Pornos (spannender Weise oft schwulen Pornos), dafür aber ne Menge Seiten, die so gar nichts mit Porno zu tun haben. Steht man mal drauf kommt man nicht runter. Das BKA entscheidet wer drauf steht und wer nicht, von Gewaltenteilung keine Spur.
Doch sehen wir uns noch ein bisschen in unserer Gasse vorm Schaufenster um, wo mittlerweile die Frage diskutiert wird, wie man aus dem Gewimmel von Menschen, die hier rumstehen, jemals mit Sicherheit herausfinden soll, wer tatsächlich nur aus Versehen hier ist und wer vielleicht doch, tatsächlich, man wagt es kaum auszusprechen... Kinderpornos kaufen wollte!!!
Es scheint unmöglich, aus 1430 Verdächtigen täglich die schwarzen Schafe auszusieben. Noch vor Ablauf eines Jahres hätte die Polizei eine halbe Million Menschen zu überprüfen. Verunsicherung macht sich breit. Da schlendert um die Ecke eine bunte Gestalt, und fröhlich ruft der Hofnarr dem versammelten Volk zu: „Sorgt euch nicht, denn keiner von euch ist ein Kinderschänder. Denn die Kinderschänder wissen doch längst, das hier vorne die Polizei steht, und benutzen deshalb den nicht bewachten Hintereingang!“
Hatte ich es erwähnt? Ich bin keiner von diesen Computerfreaks, den Hexenmeistern des 21. Jahrhunderts, die sich die Elektronen nach belieben zu Willen machen. Deshalb habe ich fast 5 Minuten gebraucht, um meinen Rechner so einzustellen, das er die Internetsperre automatisch umgeht. Wie das geht wird euch hier erklärt:
http://www.pcwelt.de/start/dsl_voip/online/praxis/198984/internetsperre_einfach_umgehen/
Warum es funktioniert werde ich wahrscheinlich nie verstehen und es ist mir auch egal. Aber wenn selbst ich das hinkriege, dann schaffen es die kriminellen Perversen erst recht, und wahrscheinlich noch sehr viel besser und schneller. Also was soll das alles? Wenigstens ist das Gesetz mit einer zeitlichen Begrenzung versehen. So wie der Soli.
Ihr wollt etwas gegen sexuellen Missbrauch von Minderjährigen tun? Ihr wollt gegen Kinderpornografie vorgehen?
Mein Vorschlag: Macht die Flughäfen dicht. Denn dort starten im Minutentakt die Tripper-Clipper, nach Bangkok, Manila, Medellin, Rio de Janeiro und all die anderen 3.Welt Höllenlöcher von verslumten Großstädten, in denen das Durchschnittsalter einer Hure bei ungefähr 12 Jahren liegt. Ein Klipper pro Minute, ein perverses Schwein pro Klipper, macht in der Woche....
Schönen Gruß,
Euer
Hofnarr
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