So, jetzt haben wirs. Roland I, durch Gottes Gnaden Kaiser von Hessen, ist im Amte bestätigt, die SPD hat erfahren, das Dummheit bestraft wird und das viele Punkte beim Scrabble nicht zwangläufig eine gute Spitzenkandidatin kennzeichnen. Und, ich glaube, lege mich aber nicht darauf fest, das noch nie in der Geschichte der BRD der Bruch eines Wahlversprechens so unmittelbar und brutal vom Volk abgewatscht wurde wie bei dieser Hessenwahl.
Nun haben wir ja wieder mal ein Superwahljahr, und die Landtagswahl in Hessen wird von einigen Leuten als Stimmungsbarometer für die weiteren Wahlen gesehen. (Ich verrat jetzt nicht welche das sind, das müsst ihr schon selbst rausfinden...).
Aber wenn dem so ist, dann Lohnt es sich, zumindest einen Aspekt mal genau zu betrachten:
Die Wahlbeteiligung lag bei ungefähr 61 Prozent.
Das bedeutet, das ungefähr 39 Prozent der Wahlberechtigten nicht von ihrem Recht Gebrauch gemacht haben. Sagen wir mal, das davon- na, 5 Prozent aus irgendwelchen Gründen nicht Wählen konnten. Zu besoffen, zu nüchtern, krank oder im Urlaub, was weis ich.
Dann haben wir immer noch 34 Prozent Nichtwähler, die nicht wählen waren, weil sie keinen Bock hatten, Politikverdrossen waren und weil sie nicht wussten, was sie hätten wählen sollen. SPD, CDU? Die Wahl zwischen Pest und Cholera fällt halt doch schwer, aber Leute, einen Tod muss man sterben! Die FDP, Wasserträger der CDU, die GRÜNEN, die Blödmannsgehilfen der SPD... Und dann natürlich DDR reloadet: DIE LINKE... Da kann man wählen was man will, ändern tut sich eh nix, die Rechten wählt man aus Prinzip nicht, der Chefkoch bricht seine Wahlversprechen auch alle (aber mit wesentlich mehr Stil als Frau Yps, das sei hier mal anerkennend vermerkt) die „Anderen Parteien“ schaffen es ja eh nicht, und am Ende ist der Bürger (=Wähler) sowieso der Gelackte. Das hör ich so oft. Und soll ich euch mal was sagen? Ich kanns nicht mehr hören, ihr Hirn- und Mittellosen Pfeifenreiniger!
Für euch also als Denkanstoß: Hätten diese 34 Prozent hypothetischer Protest- Nichtwähler alle eine Partei gewählt, wäre diese Partei zweitstärkste Fraktion geworden- weit vor der SPD und den Pantoffel-Parteien, so dicht an der CDU das dem Roland der Kragen eng geworden wäre.
Jaja, ich weis. Die Wahrscheinlichkeit das alle das Gleiche gewählt hätten ist weniger als Null. Also weiter: hätten sich 2 Parteien die 34 Prozent geteilt, wären das 2 weitere Parteien im Landtag, 2 Parteien, stärker als die FDP und damit ihrerseits interessante Koalitionspartner für die Regierung! Durch 3 geteilt hätten wir drei Parteien die etwa gleich stark mit den GRÜNEN wären, geteilt durch 4 würde 4 weitere Parteien bedeuten, die immer noch jede für sich stärker wären als DIE LINKE. Für alle die schon lange keinen Wahlzettel mehr gesehen haben: ganz so groß ist die Auswahl nicht, diesmal waren nur 10 Parteien drauf... es könnten mit 34 Prozent der Wählerstimmen noch 5 Parteien mehr im hessischen Landtag vertreten sein- wenn ihr wählen gegangen währt. So viel zu der verbreiteten Theorie, das die kleinen Parteien sowieso keine Chance haben und sich deshalb nichts ändern lässt.
Also, bei der nächsten Möglichkeit: Arsch hoch und ab ins Wahllokal, bevor noch jemand auf die Idee kommt, weitere Wahlen wegen mangelnder Beteiligung abzusagen!
Wer die Wahl hat, hat die Qual- Aber sind wir nicht alle ein bisschen Maso?
Schönes Wahljahr,
Euer
Hofnarr
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