Gute Vorsätze
Es ist wieder soweit: Weihnachten rum, Silvester in Sicht, die Zeit „Zwischen den Jahren“. Traditionell die Zeit, in der man sich über sein Leben und den Sinn darin Gedanken macht um aus den dadurch entstehenden Erkenntnissen dann die guten Vorsätze fürs neue Jahr zu formulieren. Weniger Fett essen, Sport treiben, die Steuererklärung rechtzeitig anfangen, all die Utopien, die sich spätestens am zweiten Januar (wenn die Nachwehen der Silvesterparty verklungen sind) als völlig unerreichbar entpuppen.
Dieses Jahr muss ich sogar wirklich nachdenken und einen neuen Punkt in die Liste aufnehmen. Denn einer der Klassiker, „Mit dem Rauchen aufhören“, fällt ja so langsam aber sicher weg. Erstens ist Rauchen mittlerweile einfach zu gesundheitsschädlich, nicht nur Raucherbein und Lungenkrebs drohen, sondern auch Schnupfen und Unterkühlungen aller Art, wenn man sich bei diesem Wetter vor die Kneipe stellen muss, weil drinnen das Rauchen verboten ist. Denkt da eigentlich mal jemand an den Nichtraucherschutz? Die armen Nichtraucher können entweder einsam und melancholisch am Tresen sitzen und in ihr Bier weinen oder mit den Rauchern die Gemeinsamkeit bei fünf Grad minus und Nebel vor der Tür genießen. Das Risiko auf Lungenkrebs oder die Gewissheit einer Lungenentzündung- was für eine Wahl!
Zweitens ist das Rauchen viel zu teuer geworden. Klar, irgendwoher muss unsere Regierung ja die Millionen holen, die sie der Tabakindustrie an Subventionen zahlt.
Und drittens hab ich ja schon vor vielen Jahren, lange vor der drohenden Prohibition, mit der Raucherei aufgehört...
Was könnte man sonst machen? Weniger Autofahren, die Umweltverschmutzung im Allgemeinen und den Feinstaub im Besonderen reduzieren? Na ja, aber die bauen ja jetzt den Flughafen aus. Was dabei allein schon an Dreck verschleudert wird, und wenn dann noch mehr Flugzeuge kommen- Was ich an Sprit sparen kann bläst so ein A320 ja durch die Turbinen wenn der Pilot nur den Anlasser betätigt!
Das wär´ als würde ich versuchen einen Waldbrand auszupinkeln...
Aber Umweltschutz ist doch was Tolles! Da muss sich doch was machen lassen! Aber wie? Ah ja, ich werde zum Wohle des Klimas China und die USA erobern und dazu zwingen, sich an den Klimaschutzmaßnahmen wirkungsvoll zu beteiligen. Mobilmachung! Waffencheck! Was hab ich? Der Baseballschläger hinter der Tür (für Vorwerck und die Zeugen) Brotmesser in der Küche und im Keller noch mein Bogen von früher, vom Indianer spielen. Was hat die Gegenseite? U-Boote, automatische Waffen, Flugzeuge, Atombomben... Zurück in die Denkfabrik!
Kleiner denken! Was kann ICH tun? Sparsamer sein mit Energie! Bewusster mit warmen Wasser, Gas und Stromverbrauch umgehen. Aber das hat doch auch nen Haken, nicht wahr? Spare ich Strom, Gas oder Wasser, erhöhen die Erzeuger die Preise, ist ja klar, die müssen ja auch von was Leben. Jedenfalls, ich hab den Eindruck, ich verbrauch nur noch die Hälfte und zahle das Gleiche. Also verzichte ich zum Wohle der Allgemeinheit auf weitere Sparmaßnahmen, bevor sich wegen mir noch die Preise verdoppeln!
Außerdem: Wenn ich mit Strom Gas und Wasser noch sparsamer umgeh als ich es jetzt schon tue, kann ich mir auch meine teure Wohnungsmiete sparen und in eine Höhle umziehen.
Also was Anderes... Wie wäre es denn mit etwas Abstraktem? Keine konkrete Aufgabe, sondern etwas allgemeines? Zum Beispiel: Bescheidener sein, zufriedener sein und mit dem was ich habe glücklich werden. Klingt doch gut! Aber wenn ich weiter darüber nachdenke? Warum ich, wenn unsere Abgeordneten grade wieder mit gutem Beispiel vorangegangen sind und sich die Diäten um über neun Prozent erhöht haben? Noch dazu mitten im Eisenbahnerstreik! Nö, da seh ich echt nicht ein warum ich bescheiden sein soll, nö, gar nicht!
Gute Vorsätze... Gute Vorsätze.... Vielleicht sollte ich nächstes Jahr einfach mit dem Denken aufhören?
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